Tramelan (mit Camille Comisso)

Die Gemeinde Tramelan wurde vom Bund ausgewählt, um bei verschiedenen Projekten im Bereich nachhaltige Mobilität Unterstützung zu erhalten. Elektroautos und -velos, Fusswege, Mobilität von Unternehmen: Im Rahmen eines breit angelegten partizipativen Prozesses wurden alle Akteure des Mobilitätsbereichs der Gemeinde in die Überlegungen einbezogen.

Camille Comisso, Leiterin der Abteilung für Raumentwicklung in Tramelan, gibt einen Überblick über die verschiedenen Überlegungen und Massnahmen, die gemeinsam mit der Bevölkerung durchgeführt wurden.

Warum hat sich Tramelan entschieden, am MONAMO-Programm von EnergieSchweiz teilzunehmen? 

Der Vorschlag kam 2024 direkt vom Naturpark Chasseral. Da unser Gemeinderat solchen Initiativen gegenüber aufgeschlossen ist, hat er sofort zugestimmt. Sein Ziel ist es, eine bessere Lebensqualität für die Bevölkerung sicherzustellen – und dazu gehören auch Aspekte der Mobilität. Es geht nicht unbedingt darum, die Einwohnerzahl zu erhöhen, sondern darum, die jetzigen Einwohnerinnen und Einwohner zu halten und dafür zu sorgen, dass sie sich in diesem etwas abgelegenen Dorf – die nächsten Ortschaften Tavannes, Saint-Imier und Saignelégier sind jeweils 10 bis 15 Minuten entfernt – wohlfühlen. 

Was sind die wichtigsten Arbeitsschwerpunkte?

Es gibt vier Schwerpunkte: aktive bzw. sanfte Mobilität, die also Velofahrende sowie Fussgängerinnen und Fussgänger betrifft, Elektromobilität, Shared Mobility und berufliche Mobilität. Mit diesen Schwerpunkten wollten wir die gesamte Bevölkerung ansprechen, nicht nur diejenigen, die zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind. Obwohl alle vier Schwerpunkte ausgearbeitet wurden, steht für uns derzeit die aktive Mobilität im Fokus.  Beispielsweise werden wir Interessierten während des Monats Juni etwa ein Dutzend E-Bikes kostenlos zur Verfügung stellen. Aufgrund der grossen Nachfrage werden wir diese Aktion sicher im September oder im 2027 wiederholen. Unser langfristiges Ziel ist es, dass die Menschen ihre Gewohnheiten ändern und kurze Strecken im Gemeindegebiet eher mit dem Velo als mit dem Auto zurücklegen.

Und wie sieht es mit den anderen Aspekten der Mobilität im Zusammenhang mit dem Auto aus?

Die Gemeinde prüft die Möglichkeit, der Bevölkerung für eine Testphase ein Carsharing-Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. Ebenso interessiert uns die gemeinschaftlich organisierte Mobilität der Einwohnerinnen und Einwohner, wozu wir bereits einen partizipativen Workshop durchgeführt haben. Dabei möchten wir auf bestehende Plattformen zurückgreifen. Bei den Teilnehmenden dieses Workshops haben wir ein sehr grosses Interesse festgestellt.

Sie streben auch eine Verringerung des durch Unternehmen verursachten motorisierten Verkehrs an. Wie können Sie die grossen Arbeitgeber in Tramelan davon überzeugen, in betriebliche Mobilitätskonzepte zu investieren? 

Sechs der grössten Arbeitgeber der Gemeinde – Precitrame, EMP, das CIP, das CSP, die CJ und die Gemeinde selbst – haben sich aktiv an einer Bestandsaufnahme zur Mobilität ihrer Mitarbeitenden beteiligt. Sie zeigen grosses Interesse und möchten weiterhin zusammenarbeiten, um letztendlich einen gemeinsamen Mobilitätsplan zu erarbeiten.  Dank ihres Engagements kennen wir die Mobilitätsgewohnheiten von 900 Mitarbeitenden, die in Tramelan tätig sind. Derzeit arbeiten wir daran, konkrete Mobilitätspläne zu entwickeln, die von all diesen Unternehmen umgesetzt werden können. Es ist wichtig, dass sich alle beteiligen, denn ohne gemeinsame Anstrengungen werden die Massnahmen nicht wirksam sein.  Ein Beispiel dafür ist eines dieser sechs Unternehmen, das seine Parkplätze für die Mitarbeitenden kostenpflichtig gemacht hat. Das Ergebnis: Die Mitarbeitenden parkieren nun auf anderen, kostenlosen Parkplätzen in der Nähe. 

Über diese verschiedenen Projekte hinaus sprechen Sie von einer «Kartierung der Hindernisse» für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Was ist damit konkret gemeint? 

Wir haben einen Workshop zum Thema «Mobilität für alle» durchgeführt, an dem insbesondere Menschen mit eingeschränkter Mobilität (Rollstuhlfahrende, Eltern mit Kinderwagen, sehbehinderte Menschen usw.) teilgenommen haben. Dank der Erfahrungsberichte aller Anwesenden konnten wir genau die problematischen Orte identifizieren, für die wir nun konkrete Lösungen erarbeiten werden. Ein ähnlicher Workshop wurde für Velofahrende organisiert, um problematische Bereiche zu ermitteln und Verbesserungsmöglichkeiten zu klären. Die Massnahmen für den Veloverkehr sind leichter umzusetzen, da auf regionaler und kantonaler Ebene bereits verschiedene Massnahmenpläne in Arbeit sind. 

Stossen Sie trotz dieses ausgesprochen partizipativen Ansatzes bei bestimmten Themen auf Vorbehalte? 

Für mich ist der Einbezug der Bevölkerung in die Überlegungen der Schlüssel zum Erfolg dieser Projekte. Die Teilnehmenden der Workshops sind dankbar, dass sie mitwirken können. Und die Zahlen bestätigen, dass ein echtes Interesse an den Themen Mobilität und Nachhaltigkeit besteht.  Mehr als 460 Personen haben an unserer Umfrage teilgenommen. Das entspricht 12 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Im Vergleich zu anderen Gemeinden, die sich mit ähnlichen Themen befassen, ist das eine beachtliche Zahl.

Vorbehalte wird es immer geben. Wenn man die Geschwindigkeit durch Tempo-30-Zonen begrenzt oder Parkplätze gebührenpflichtig macht, stösst das nie auf ungeteilte Zustimmung. Für mich ist wichtig, dass wir gemeinsam mit den anderen Gemeinden der Region an einem Strang ziehen.

Und genau hier kommt eines der Ziele Ihres Massnahmenplans ins Spiel: die regionale Übertragbarkeit.

Genau. Wir möchten, dass das, was wir in Tramelan umsetzen, leicht auf andere Orte in der Region übertragen werden kann. Wir alle werden unsere Gewohnheiten ändern müssen, und es ist zweifellos einfacher, dies gemeinsam zu tun, als jeder für sich allein. Die Tragweite der Veränderungen ist umso grösser, wenn Tramelan nicht die einzige Gemeinde ist, die Änderungen in ihrer Mobilitätspolitik einleitet. Die rege Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner an den Workshops und an unserer Umfrage zeigt meiner Meinung nach, dass die Bevölkerung von Tramelan von ihrer Grundhaltung her bereit für Veränderungen ist. Das wird etwas Zeit brauchen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen.

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