Der Igel – gut gerüstet, aber eben doch empfindlich

Er ist ein unauffälliger Gast in unseren Gärten und zählt zu den sympathischsten Säugetieren unserer Region. Wir tauchen ein in die faszinierende Welt dieses kleinen Säugetiers, das für die Artenvielfalt unserer Region ein wertvoller Verbündeter ist und von Pro Natura zum Tier des Jahres gekürt wurde.

Der Braunbrustigel ist ein wahres Wunder der biologischen Evolution. Sein bekanntestes Merkmal? Der Stachelpanzer! Ein ausgewachsenes Tier verfügt über 5'000 bis 7'000 Stacheln – eigentlich verhärtete Haare, die durch Keratin versteift sind.  Bei Gefahr kann sich der Igel dank eines kräftigen Ringmuskels im Handumdrehen zu einem Ball zusammenzurollen und so eine fast undurchdringliche Festung bilden. Als rein nachtaktives Tier gleicht er sein eher schwaches Sehvermögen durch ein sehr feines Gehör und vor allem durch einen aussergewöhnlich starken Geruchssinn aus. Dank seiner beweglichen Schnauze spürt er seine Nahrung unter dem Laub in den Wäldern, Gärten und Obstgärten des Grand Chasseral mit chirurgischer Präzision auf.

Ein Vielfrass, der unseren Gärten einen guten Dienst erweist

Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) ist ein ausgesprochen effizienter Insekten- und Kleintierjäger. Zu seinen Lieblingsspeisen zählen Schnecken, Regenwürmer, Raupen und Käfer. Allen Gemüsegärten der Region bietet er daher die ideale ökologische Unterstützung. Wenn der Winter naht und die Beute knapp wird, bereitet sich der Igel auf eine wahrhaftige biologische Meisterleistung vor: den Winterschlaf. Von November bis April macht er es sich unter einem Haufen aus Ästen oder anderem Pflanzenmaterial in einem Nest gemütlich. Dabei verlangsamt sich sein Stoffwechsel drastisch. Die Körpertemperatur sinkt auf wenige Grad, und die Herzfrequenz des Igels verlangsamt sich von etwa 190 auf weniger als 20 Schläge pro Minute.

Das Weibchen bringt nach einer Tragzeit von 35 Tagen zwischen Juni und August drei bis sieben Jungtiere zur Welt. Später kann es noch einen zweiten Wurf haben, doch die Überlebensrate ist dabei noch geringer als beim ersten Wurf – dort liegt sich bei lediglich 20 bis 30 %. Der erste Winterschlaf ist für die Jungtiere besonders kritisch. Sobald diese entscheidende Phase überstanden ist, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung eines Igels 2,5 Jahre. 

Herausforderungen direkt vor unserer Haustür

Der Igel sieht sich heute mit grossen Herausforderungen konfrontiert: Insbesondere die Zerstückelung seines Lebensraums, der Rückgang von Insekten und anderen Wirbellosen sowie der Einsatz von Rasenmährobotern – vor allem, wenn diese nachts betrieben werden, wenn die kleinen Säugetiere aktiv sind – machen ihm das Leben schwer.

Das Gebiet des Naturparks Chasseral mit seinen lebendigen Hecken, kleinen Wäldern, ungemähten Wiesen und Trockensteinmauern bietet dem Igel zahlreiche willkommene Rückzugsorte und lebenswichtige Korridore für seine langen nächtlichen Wanderungen, denn ausserhalb der Fortpflanzungszeit legt er pro Nacht bis zu 1,5 Kilometer zurück! Doch am stärksten fördert der Naturpark Chasseral den kleinen Insektenfresser derzeit mit dem Projekt «Natur im Dorf», mit Massnahmen in unseren Gärten.

Jede und jeder kann etwas zum Erhalt dieses liebenswerten Entdeckers beitragen: Lassen Sie im Garten einfach ein paar Flächen unberührt und legen Sie Holzhaufen an – und verbannen Sie Pestizide für immer aus ihrem Garten.  Zusätzlich zu diesen einfachen Massnahmen beachten Sie bitte Folgendes: Schaffen Sie 12 x 12 cm grosse Durchgänge am unteren Rand von Zäunen, verzichten Sie unbedingt auf chemisches Schneckengift – denn dieses ist auch für den Igel tödlich –, stellen Sie eine Schale mit frischem Wasser auf (niemals Milch!) und seien Sie vorsichtig, wenn Sie mit der Motorsense unter einer Hecke mähen möchten.

 

Quelle / weitere Informationen:

·         Schweizerische Gesellschaft für Wildtierbiologie (Hrsg.) 2023: Atlas der Säugetiere – Schweiz und Liechtenstein. Schweizerische Gesellschaft für Wildtierbiologie (Hrsg.). Haupt Verlag, Bern.

·         www.pronatura.ch

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