Mit seinen langen Ohren, den seitlich hoch oben am Kopf angebrachten grossen Augen und den langen, kräftigen Hinterläufen ist der Feldhase, der ein Gewicht von bis zu 5 kg erreichen kann, das kräftigste der hier heimischen Hasentiere. Er lässt sich gut vom Wildkaninchen und dem Schneehasen unterscheiden. Im Gegensatz zum Schneehasen, der ausschliesslich in den Alpen vorkommt, verändert das Fell des Lepus europaeus im Winter seine Farbe nicht. Es bleibt unverändert braun-beige bis dunkelbraun, wobei die Flanken in der Regel heller sind. Sein Schwanz ist oben schwarz und unten weiss – beim Schneehasen ist er komplett weiss. Die Ohren des Feldhasen sind gräulich mit einer schwarzen Spitze.
Hier bei uns kann man ihn leicht dabei beobachten, wie er mit voller Geschwindigkeit über eine Wytweide rennt. Am ehesten lässt sich seine Anwesenheit jedoch anhand seiner Spuren im Schnee erkennen. Diese sind ganz typisch: Die beiden Hinterbeine sind parallel aufgesetzt, die Vorderbeine liegen genau hintereinander – ein eindeutiges Y-Muster!
Den neuesten Erhebungen zufolge leben heute in der gesamten Schweiz bis zu einer Höhe von 2000 m bis zu drei Individuen pro km². In den 1960er-Jahren waren es mitunter bis zu 60 Feldhasen pro km². Dieser drastische Rückgang ist auf die Zerstückelung der Landschaft durch den Ausbau des Strassennetzes, die Intensivierung der Landwirtschaft, den Verlust extensiv bewirtschafteter Wiesen und den Einsatz von Pestiziden zurückzuführen. Die Art gilt zwar auf europäischer Ebene nicht als gefährdet, wird in der Schweiz jedoch als verletzlich eingestuft.
Köttelfresser
Dieser Pflanzenfresser praktiziert die Caecotrophie, das heisst, er frisst seinen eigenen Kot wieder, nachdem dieser den Verdauungstrakt einmal durchlaufen hat. So werden die aufgenommenen Pflanzenstoffe besser verdaut. Die Nahrung des Feldhasen besteht aus krautigen Pflanzen, Blütenpflanzen, Trieben von Sträuchern und – vor allem im Winter – der Rinde junger Bäume. In landwirtschaftlich genutzten Gebieten frisst er auch Blätter von Getreidepflanzen. Gelegentlich verursacht er dabei Schäden in Gemüseanbauflächen – besonders dort, wo junge Obstbaumpflanzungen stehen.
Eine Häsin kann pro Jahr bis zu sieben Würfe mit jeweils zwei bis vier Jungtieren zur Welt bringen. Der Durchschnitt liegt jedoch bei fünf Würfen mit insgesamt etwa zehn Jungtieren. Diese hohe Fruchtbarkeit wird durch das Phänomen der Superfetation ermöglicht: Embryonen können sich in einem frühen Stadium in einem der Gebärmutterhörner einnisten, während sich Föten in einem viel fortgeschritteneren Stadium bereits im anderen Gebärmutterhorn befinden. Da der Feldhase keine Höhlen gräbt, findet die Geburt auf dem Boden statt. Um nicht von Raubtieren entdeckt zu werden, säugt die Häsin ihre Jungen nur einmal pro Nacht für einige wenige Minuten. Die Milch ist daher besonders reichhaltig.
Der Feldhase ist keine territoriale Art, sondern eher gesellig, lebt jedoch nicht unbedingt in stabilen Gruppen. Die Gruppierungen bilden sich je nach verfügbaren Ressourcen und den Fortpflanzungsspitzen während der warmen Jahreszeit.
Reich strukturierte Agrarlandschaften erhalten
In Ackerlandschaften bieten brachliegende Flächen den Hasen und anderen kleinen Säugetieren Schutz und Nahrung. In den Landschaften des Jura profitiert der Hase von einem Mosaik aus Wiesen, Wäldern und Weiden. Er fühlt sich wohl auf besonders grossen, abwechslungsreichen Wytweiden mit Hecken, Gehölzen, Trockensteinmauern und einer unterschiedlich hohen Krautschicht, die sich von Bereich zu Bereich verändert.
Genauso wie für das Hermelin, das Wiesel und viele andere Arten ist es für den Erhalt und die Verbesserung der Population und Lebensbedingungen des Feldhasen von grundlegender Bedeutung, dass ein Netz aus hochwertigen Lebensräumen und Landschaftsstrukturen in kleinem und grossem Massstab besteht, erhalten bleibt und ausgebaut wird. Eine solche ökologische Infrastruktur wird vom Naturpark Chasseral mit Unterstützung der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft, der Gemeinden und der Burgergemeinden gefördert und weiterentwickelt.
Quelle / weitere Informationen:
Schweizerische Gesellschaft für Wildtierbiologie (Hrsg.) 2023: Atlas der Säugetiere – Schweiz und Liechtenstein. Haupt Verlag, Bern.
